
Zur Aufmunterung: Good News for the Jews– mein Editorial in NU 103
Für ein vierteljährlich erscheinendes Magazin ist es eine große Herausforderung auf aktuelle Themen zu reagieren. Als ich diese Zeilen schreibe, ist der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran in vollem Gang. Der Iran ist militärisch und innerhalb der obersten geistlichen Führung deutlich geschwächt, greift dennoch weiterhin Israel und die Golfstaaten an. In Israel sind 13 Menschen durch iranische Raketen getötet worden. Unterdessen wächst in Europa die Kritik an Israel und den USA, gleichzeitig werden Synagogen in den USA, in Kanada oder auch jüdische Einrichtungen in Europa Ziele von Anschlägen, unter anderen auf eine jüdische Schule in Amsterdam. Zumindest bei den Attacken in Europa sind die Drahtzieher schiitische Organisationen, die direkt mit dem Iran verbunden sind. In den Medien findet diese beunruhigende Dynamik gegen Jüdinnen und Juden wenig Niederschlag. Die Öffentlichkeit reagiert häufig mit Relativierung oder sogar Verständnis.
Nach dem 7. Oktober 2023 sind wir erschöpft von den vielen negativen Nachrichten, die Israel und die jüdische Welt überschwemmen. In der NU-Redaktion haben daher beschlossen, dass wir das Dossier dieser Ausgabe guten Nachrichten widmen. Good News for the Jews also finden Sie in diesem Heft. Wir haben uns bemüht, einen Überblick über kleine und große Zeichen dafür mit Ihnen zu teilen. Im Gegensatz zu der oft negativen Berichterstattung in vielen Medien sollen unsere guten Nachrichten uns Hoffnung geben.
Jüdisches Leben – vor allem in Österreich – bleibt trotz aller Herausforderungen sichtbar, aktiv, relevant und lebendig. Wir rücken die kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Errungenschaften in den Fokus und geben Ihnen neben dem großen Bogen, was positive Nachrichten anlangt, einen Überblick über 18 gute Kurzberichte aus Israel und der jüdischen Welt. Hedi Schneid hat sich die israelische Wirtschaftslage im Detail angesehen, die Krieg und Konflikten trotzt. Wie sich junge jüdische Gemeinden in den USA trotz aller Widrigkeiten entwickeln, berichtet Rachel Engelberg, ob auch aus Hollywood good news kommen, erfahren Sie von Gaby Flossmann. Gerhard Jelinek beschäftigt sich mit Wiederösterreichern (Otmar Lahodynsky stellt einen solchen vor) und dem ESC. Debbie Engelberg hat sich angesehen, ob die KI ein Vorurteil gegen Israel hat und wie man damit umgehen kann. Sie schreibt übrigens auch darüber, wie es ihr in New York unter Bürgermeister Mamdani so geht. Die langjährige NU-Chefredakteurin Andrea Schurian betrachtet die SPÖ aus unserer Perspektive und stellt die neue Leiterin des Jüdischen Museums Hohenems vor, Rainer Nowak hat die neue Direktorin des Horten Museums interviewt. Kathi Stourzh präsentiert ein neues Forschungsprojekt der BIG und Mark Napadenski war mit Clara von Nathusius unterwegs. Wir sind dankbar für den Beitrag von Richard C. Schneider über den Iran. Der Unternehmer Stephan Zöchling berichtet über seine Eindrücke von einer aktuellen Israel Reise. Wie geht es weiter in der Kultusgemeinde? Das erfahren Sie von Rene Wachtel, der auch über die Rüstungsgeschäfte zwischen Deutschland und Israel berichtet. Thomas Trenkler hat sich den Krimi um ein Porträt von Sigmund Freud angesehen. In der vergangenen Nummer haben wir bei den Autorenporträts den wunderbaren Georg Gaugusch unterschlagen, dafür entschuldige ich mich, wir holen das diesmal nach. Martin Engelberg setzt sich in einem Kommentar mit dem Phänomen auseinander, dass die vielen Millionen, wenn nicht gar Milliarden Euro, die im Kampf gegen Antisemitismus eingesetzt werden, nur wenige Früchte tragen, wenn überhaupt. Nathan Spasic und Mark Napadenski plaudern im Vorletzten Wort über die Verrücktheiten von Boykott-Debatten.
Aber zurück zum Thema good news: Der unermüdliche Fabian Gaida hat gemeinsam mit Rachel Engelberg ein neues Format für Social Media entworfen. NU in 18 Sekunden mit news aus der Jüdischen Welt. Frei nach Karl Farkas: Schaun Sie sich das an.
In diesem Sinn möchte ich mich bei Allen, die zum Zustandekommen dieser Ausgabe beigetragen haben, ganz herzlich bedanken. Last but not least schreibt Fritz Rubin-Bittmann über Pessach im Lauf der Jahrhunderte. Daher wünsche ich Ihnen an dieser Stelle Pessach Kasher ve Sameach, fröhliche und koschere Pessachfeiertage und selbstverständlich auch frohe Ostern!
NU – Jüdisches Magazin für Politik und Kultur